Polnische Reichstagsfraktion

Die von den übrigen Fraktionen weitgehend isolierten Abgeordneten vertraten – zumeist ohne Aussicht auf Erfolg – die Interessen der polnischen Minderheit im Reich.

Repräsentanten der polnischen Minderheit

Wie schon zuvor in das preußische Abgeordnetenhaus, wurden polnische Abgeordnete von Beginn an 1866/71 in den gegründeten Reichstag gewählt. Einige von ihnen waren Mitglied der Zentrumspartei, doch die meisten schlossen sich, ihrem Selbstverständnis und Wählerauftrag entsprechend, in einer eigenen polnischen Fraktion zusammen, um die polnische Minderheit im Reich zu vertreten.
Die polnischen Kandidaten erhielten insgesamt weniger Stimmen, als es dem Anteil von etwa sechs Prozent an der Bevölkerung des Reichs entsprochen hätte, doch profitierten sie von dem

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Der Berliner Reichstag

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herrschenden reinen Mehrheitswahlrecht, das ihren Mandatsanteil über ihren Stimmenanteil hob. Bis zu Beginn des 20. Jh. gehörten etwa 14-16 der 397 Abgeordneten der polnischen Fraktion an.ZitatDer Schwerpunkt der polnischen Wähler lag im Regierungsbezirk Posen, in dem i. d. R. 8 von zehn Wahlkreisen an Polen gingen. Im Regierungsbezirk Bromberg waren es zwei bis drei von sechs, im

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Otto von Bismarck
Otto von Bismarck
Germanisierungs- und Kampfpolitik 1871-1914
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Kardinal Miecyslaw Ledochowski

Reg. Bez. Danzig konstant zwei von vieren.
Die polnische Fraktion bestand in erster Linie aus konservativen katholischen Adeligen. Sie bekannten sich zu ihrem Streben nach einer polnischen Staatlichkeit und forderten zudem die Umsetzung der 1815 gemachten Versprechen über eine nationales Leben der Polen. Dazu deuteten sie die Eingliederung des

Großherzogtums Posen in das Deutsche Reich als Bruch des auf dem Wiener Kongreß gesetzten Rechts. Somit standen sie von Beginn an in prinzipieller Opposition zum neugegründeten Reich. Ihren Status als „Reichsfeinde“ teilten sie mit dem katholischen Zentrum, mit dem sie in den siebziger Jahren Opfer von Bismarcks Kulturkampf wurden. In den achtziger Jahren, als Bismarck seine Polenpolitik erheblich verschärfte, vertrat das Zentrum die vermittelnde Position, zwar für polnischsprachigen Schulunterricht, aber gegen eine nationale Absonderung der Polen aufzutreten. Zu den übrigen Parteien hatte die polnische Fraktion ein Unverhältnis.
Unter Reichskanzler Caprivi wurden den Polen einige Erleichterungen gewährt, während die polnischen Abgeordneten im Gegenzug für dessen Vorlagen stimmten. Als diese „Versöhnungspolitik“ 1894 scheiterte, gerieten die konservativen Honoratioren-Parlamentarier in Verruf. Ab 1903 dominierten die radikaleren, demokratischen und nationalistischen Nationaldemokraten zusammen mit den bäuerlichen Populisten und

Leo von Caprivi
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Leo von Caprivi

progressiven Gutsherren die Politik der polnischen Minderheit. Ihre Parteiorganisation ermöglichte es auch weniger Wohlhabenden, in den Reichstag einzuziehen, dem Diäten unbekannt waren. Die polnische Nationalbewegung erfaßte nun das Ruhrgebiet und Oberschlesien, wo bisher das Zentrum gewählt worden war, so daß der Zahl von

polnischen Kandidaten, Stimmen und Mandaten deutlich stieg. So waren fünf von elf Abgeordneten im Reg. Bez. Oppeln Mitglieder der polnischen Fraktion, unter ihnen Wojciech (Adalbert) Korfanty, der 1920/21 die schlesischen Aufstände gegen die deutsche Herrschaft anführte.

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Wojciech Korfanty
Wojciech Korfanty
19.2.1772    24.7.1792    1795    1800    19.10.1813    1815    1820    1830    2.8.1847    1848    8.2.1863    1864    1880    3.11.1894    1901    1904    26.8.1914