Recht auf Heimat

Um die Rückkehr der Vertriebenen rechtlich zu verankern, wurde nach 1945 ein 'Recht auf Heimat' formuliert.

Die Heimat - ein Menschenrecht?

Einer der ersten, die die Vertreibung der Deutschen auf naturrechtlicher Grundlage verurteilten, war der Papst: Der Schiffbruch so vieler Seelen gibt traurigerweise der mütterlichen Auffassung der Kirche recht und verpflichtet zu der Folgerung, daß die Beständigkeit des Heimatbodens und das Anhängen an ererbte Traditionen, welche unverzichtbar für die das Wohl und die Integrität des Menschen sind, auch zu den grundlegenden Elementen der menschlichen Gemeinschaft.“ Außerdem verurteilte er die Vertreibung als nicht zu rechtfertigende Kollektivstrafe.

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Vertriebene auf dem Weg nach Westen

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Unter den deutschen Protestanten entspann sich eine Diskussion um das „Recht auf Heimat“. Die eine Seite stellte fest, daß Deutsche auf Restitutions- und Entschädigungsansprüche verzichten sollten, da die deutsche Schuld tiefer gehe und die angestrebte Vergebung und Versöhnung durch Ansprüche nur erschwert werde. Die andere Seite betrachtete die

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Charta der deutschen Heimatvertriebenen
Charta der Heimatvertriebenen
Vertreibung der Deutschen
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Vertreibung der deutschen Bevölkerung

deutsche Schuld als Erklärung für die Vertreibungen, was jedoch nichts daran ändere, daß diese ein großes Unrecht gewesen seien. Schuld sei aber immer individuell, die Vertreibungen hingegen eine Kollektivstrafe. „Des anderen Schuld wegen der eigenen zu verneinen ist ein falscher Akt der Gnade“ und stehe einer echten Versöhnung im Weg.

1958-59 formulierten 14 Gelehrte (unter ihnen fünf Nichtdeutsche und nur drei Vertriebene) die „Vorläufigen Leitsätze zur Frage des ‚Rechts auf Heimat‘“, die, zusammen mit einer umfangreichen Materialsammlung, weite Verbreitung fanden. Das ius domicilii securitatis definierten sie als Recht auf individuelle und kollektive Sicherheit vor Drohungen oder Gewaltanwendung, die Menschen dazu zwingt, ihren dauerhaften Wohnsitz zu verlassen. ‚Heimat‘ wird definiert als territoriale Einheit, in der ein Individuum oder eine Gruppe sozial und ökonomisch verwurzelt ist. In dem Werk wurde das Recht auf Heimat auch aus 1945 gültigen Rechtsquellen wie die Haager Landkriegsordnung von 1907 als positives Recht abgeleitet. Die deutsche Schuld sei eine „historisch-politische Erklärung“, doch könne Versöhnung nur aus der gegenseitigen Anerkennung der aneinander verübten Verbrechen erwachsen. Dazu gehöre auch die Zahlung von Reparationen an Vertreibungsopfer.
Der Gesamtdeutsche Ausschuß des Bundes der Vertriebenen gelangte gegen Ende der sechziger Jahre zu der Auffassung, daß das

Revanchismus-Revisionismus
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Der revanchistische deutsche Wolf 1951

Heimatrecht keine Norm des internationalen Rechts sei und im Rechtsdenken der Alliierten keine Rolle spiele. Der Ausschuß empfahl, sich stattdessen stärker auf das Annexionsverbot im modernen Völkerrecht zu berufen. Die angesprochenen Parteien blieben jedoch bei der Heimatrechtsformel, eben weil sie rechtlich unverbindlich war. Die Verbände wiederum vermochten nicht, die Parteien zu einer veränderten Argumentation zu bewegen.

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