Germanisierungs- und Kampfpolitik 1871-1914

Eine forcierte Germanisierungspolitik des Deutschen Reichs geht in eine deutschnationale Kampfpolitik über. Sie erreicht jedoch das Gegenteil ihres Zweckes: das polnische Nationalbewußtsein wuchs.

Zunehmende Radikalisierung

Die deutsche Politik stand in der Zeit der Reichsgründung vor einer Herausforderung: Die 1867 gegründete österreichisch-ungarische Doppelmonarchie (1867) hatte den Polen im österreichischen Teilungsgebiet ausgedehnte Selbstverwaltungsrechte eingeräumt. Das strahlte in die anderen Teilungsgebiete aus. VideoBismark wollte Freiheitsbewegungen durch energische Germanisierung entgegenwirken. 1872 wurde z.B. das preußische Schulaufsichtgesetz erlassen, das dem polnischen Klerus jeden Einfluß auf Schulen entzog. 1873 wurde außerdem

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Kardinal Miecyslaw Ledochowski

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.Videobestimmt, daß Schulunterricht in deutscher Sprache zu erfolgen habe. Geistliche, z. B. Erzbischof Ledochowski von Gnesen-Posen, die sich widersetzten, wurden entlassen oder verhaftet. 1876 und 1877 wurden Sprachgesetze erlassen, die im Umgang mit Behörden, Beamten, politischen Körperschaften und Gerichten die deutsche Sprache vorschrieben. Die polnische Bevölkerung

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Otto von Bismarck
Otto von Bismarck

sah sich demonstrativ auf die Stufe von Preußens Staatsangehörigen zweiter Klasse herabgesetzt und begann deshalb mit der Gründung polnischer Vereinigungen. 1885 wurde gar eine Massenausweisung von Polen durchgeführt, die aus Kongreßpolen und Galizien eingewandert waren: 25914 Menschen wurden angeblich zur „Vorbeugung“ gegen polnische Agitation ausgewiesen. Insbesondere diese ließ den Haß gegen deutsche „Kreuzritter“ heftig anschwellen. Video 1886 wurde eine Königlich-Preußische Ansiedlungskommission gegründet, mit 500 Mio. Mark ausgestattet, die Land von polnischen Adligen kaufte, den Grundbesitz teilte und ihn an deutsche Erbpächter vermittelte, um im Teilungsgebiet ein Übergewicht von Deutschen herzustellen. Damit wurde gegen den Grundsatz der Gleichheit massiv verstoßen. Die deutsche Politik war auf die Gewinnung absoluter deutscher Majorität (nach Besitzfläche und Bevölkerungszahl) auf dem Land gerichtet. 1906 streikten 40000 polnische Schüler Videoin Wreschen gegen den 1900 vom preußischen Kultusministerium angeordneten obligatorischen deutschsprachigen Religionsunterricht.

1908 kam gar das Reichsvereinsgesetz Gebrauch deutscher Sprache auch im Religionsunterricht. zustande, das die deutsche Sprache für alle genehmigungspflichtigen Versammlungen vorschrieb, mit Ausnahme der Orte, in denen die polnische Bevölkerung mehr als 60 Prozent ausmachte. Alle diese Maßnahmen nationaler Kampfpolitik wirkten nicht gerade als Werbung für die deutsche Kultur.

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Wreschener Schulstreik
Schulstreik 1901
Kreuzritter Legende
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Marienburg: Einweihungsfeier 1905

Statistische Erhebungen ergaben darüber hinaus, daß der gewünschte Effekt verfehlt wurde. Die deutsche Bevölkerung nahm im preußischen Teilungsgebiet Polens ab. Deutsche Bauern zogen häufig gen Westen, und die Polen bekamen mehr Kinder als die Deutschen. Die deutsche Regierung ging deshalb dazu über Beamte, Angestellte und Arbeiter von Militär, Bahn und Post in die Ostmarken zu versetzen.

Um dem deutschen Kaiser Wilhelm II. Erfolge der aggressiven Germanisierungs- und Kampfpolitik vorzuspiegeln, wurden Posen 1902 komplett beflaggt, um eine treue deutsche Stadt vorzuspiegeln. Ein Berichterstatter bemerkte: „Daß die Stadt Posen viel mehr polnisch als deutsch ist, konnte während der Festtage das schärfste Auge nicht merken.“ Zitat

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Der Wagen von Drzymala
Drzymalas Wagen 1904
19.2.1772    24.7.1792    1795    1800    19.10.1813    1815    1820    1830    2.8.1847    1848    8.2.1863    1864    1880    3.11.1894    1901    1904    26.8.1914