Henryk Sienkiewicz, Schriftsteller

Karriere
geboren5.5.1846 in Wola Orkrzejska (Maciejowice Siedlce)
gestorben15.11.1916 in Vevey (Schweiz)

Henryk Sienkiewicz wird vom Landleben und vom polnischen Patriotismus des Vaters geprägt. Er veröffentlicht eine Anzahl historischer Roman, die den Mut des polnischen Volkes gegen die Unterdrückung stärken sollen. 1905 wird er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Als Sohn armer adliger Grundbesitzer am 5. Mai 1846 geboren, wächst Henryk Sienkiewicz in der Provinz Podlachien auf. Seine Kindheit ist geprägt von der Tradition und Eingebundenheit in das Landleben, aber auch vom Patriotismus seines Vaters, der sich am Kampf für die polnische Unabhängigkeit beteiligt hatte. Später

Henryk Sienkiewicz
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Henryk Sienkiewicz

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siedelt die Familie nach Warschau um, wo der junge Sienkiewicz die Schule besucht und an der Universität Geschichte und Literatur studiert. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich zunächst als Hauslehrer. Seine journalistische Tätigkeit beginnt er als Feuilletonist und Satriker. Er schreibt für zahlreiche Zeitungen, zunächst für die fortschrittlich-liberale Presse, später für die Konservativen. Von 1876 bis 1878 geht Henryk Sienkiewicz als Korrespondent in die Vereinigten Staaten, wo er zahlreiche Berichte und Reportagen schreibt, die in verschiedenen polnischen Tageszeitungen abgedruckt werden. Nach seiner Rückkehr schreibt er seine „Briefe aus Amerika“, doch hält ihn diese Arbeit nicht lange an seinem heimischen Schreibtisch. Im Jahr 1878 begibt er sich für zwei Monate nach Paris, reist quer durch Europa und kehrt nach vier Jahren in die polnische Heimat zurück. Diese Reisen geben Sienkiewicz Anregung für zahlreiche Erzählungen, darunter die

Nation ohne Staat
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Jozef Poniatowski (1763-1813)

1881 erschienene Erzählung „Der Leuchtturmwärter“, („Laternik“). Darin beschreibt der Autor das Schicksal des Exilpolen Skawinski, der seinen Dienst als Leuchtturmwärter an der atlantischen Küste versieht und erst durch das Lesen von „Pan Tadeusz“, dem Meisterwerk von Adam Mickiewicz, zu seiner polnischen Identität und Vergangenheit

zurück findet. In der Figur des „Sieger Bartek“ schildert er in dem gleichnamigen Kurzroman von 1882 in einer Mischung aus Sozialdrama und Sozialsatire die Erfahrungen eines Video
polnischen Bauern aus der Gegend von Poznan, der für Preußen 1870/71 in den Krieg gegen Frankreich zieht. Ohne die Gründe genau zu verstehen, wird Bartek zum vielfach ausgezeichneten Kriegsheld, dann aber – zurück in seiner preußisch-polnischen Heimat – wieder zum „polnischen Schwein“, der am Ende Haus und Hof an deutsche Siedler verliert. Dabei nimmt Sienkiewicz sowohl die Arroganz der preußischen Herren wie die Lethargie der polnischen Elite im preußischen Polen aufs Korn. 1883 veröffentlicht der Autor den ersten Teil eines historischen Zyklus, „der in einer Reihe von Jahren und mit nicht geringer Mühe zur Stärkung des Herzens geschrieben worden ist“, den historischen Roman „Ogniem i Miecznem“, „Mit Feuer und Schwert“. Bis zum Jahr 1887 folgen zwei weitere Bände, „Potop“,

Jozef Ignacy Kraszewski
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Jozef Ignacy Kraszewski

„Die Sinnflut“ und „Herr Wolodyjowski“ als Abschluß der breitangelegten Romantriologie. Im Jahr 1900 veröffentlicht Sienkiewicz einen weiteren historischen Roman, der unter dem Titel „Krzyzacy“, „Die Kreuzritter“ Zitat
erscheint. Ebenso wie bei dem gleichnamigen Roman von Ignacy Kraszewski handelt es sich bei der Bearbeitung dieses historischen Stoffes

um eine Bestätigung der ewigen Feindschaft, die zwischen Deutschen und Polen herrscht. Es soll den polnischen Lesern Mut gemacht werden, sich gegen die politische Unterdrückung zu wehren. Ähnlich wie Jozef Ignacy Kraszewski oder Zygmunt Milkowski wendet Sienkiewicz die Techniken des literarischen Realismus an. Es gelingt ihm, Stilmittel der Romantik mit dem nüchternen Denken der Positivisten zu vereinen und diese literarischen Stränge zu einer kraftvollen Prosa zu verbinden. Mit seinem Roman „Quo vadis?“, der im Jahr 1895 auf polnisch erscheint, wird SienkiewiczVideoweltberühmt und erhält 1905 für dieses Werk mit dem Nobelpreis für Literatur. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges geht Sienkiewicz ins Exil und läßt sich in der Schweiz nieder, wo er am 15. November 1916 – zwei Tage vor Wiedererrichtung des polnischen Staates – stirbt.

19.2.1772    24.7.1792    1795    1800    19.10.1813    1815    1820    1830    2.8.1847    1848    8.2.1863    1864    1880    3.11.1894    1901    1904    26.8.1914