Hannah Krall

Karriere
geboren1937 in Warschau

Mit ihren „literarischen Reportagen“ und Erzählbanden, wie „Dem Hergott zuvorkommen“ oder „Das ist kein Fluss mehr“ hat sich Hanna Krall einen Namen als „Chronistin des Holocaust“ gemacht.

Hanna Krall, 1937 in Warszawa (Warschau) geboren, studiert Journalistik an der Universität Warschau und beginnt 1955 in der Redaktion des „Zycie Warszawy“. 1966 wechselt sie zur Wochenzeitschrift „Polityka“, für die sie drei Jahre als Korrespondenten in der Sowjetunion tätig ist. Mit der Verhängung des Kriegsrechtes kündigt sie ihre Stelle bei der „Polityka“, publiziert fortan für die Solidarnosc-Zeitung „Gazeta Wyoborcza“ und lebt als freie Schriftstellerin in Warschau.

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Bekannt geworden ist Hanna Krall in erster Linie durch ihre Buch „Zdazyc przed panem Bogiem“ (Schneller als der liebe Gott), das 1977 in Polen erscheint und zwei Jahre später unter dem Titel „Dem Hergott zuvorkommen“ in Deutschland in Deutschland veröffentlicht wird. Mit diesem Werk, in dem sie das Schicksal

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Marek Edelman
Marek Edelman
Auschwitz/Oswiecim
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Das Tor von Auschwitz

eines der letzten Überlebenden des Warschauer Ghettoaufstandes, Marek Edelman, erzählt, beginnt sie ihren Weg als „Chronistin des Holocaust“, den sie u.a. in ihren Arbeiten „Tanz auf fremder Hochzeit“ (Taniec na cudzym weselu) und „Existenzbeweise“ (Dowody na istnienie) fortsetzt. 1998 veröffentlicht sie den Erzählband „Tam juz nie ma zadnej rzeki“,

zu Deutsch „Das ist kein Fluss mehr“, in dem sie ihre zahlreichen Gespräche mit Zeitzeugen des Holocaust sammelt und literarisch umsetzt.
„Geradeheraus gesagt: Dieses Buch über die Juden ist zugleich ein Buch über Gott. Die bequem als Chronistin jüdischer Schicksale ettikettierte Hanna Krall erweist sich als eine der gewichtigsten Vertreterinnen metaphysischen Schreibens in der heutigen polnischen Literatur.“
Für diese Buch wird sie 1999 mit dem „Großen Preis der Kulturstiftung“ in Polen ausgezeichnet und im darauffolgenden Jahr mit dem „Preis für Europäische Verständigung“ auf der Leipziger Buchmesse. Mit Mitteln der Europäischen Kommission wird das Werk ins Deutsche übersetzt. 2001 folgt der schmale Erzählband „Ach du bist Daniel“, mit dem sie nach Ansicht von Kritikern am „Ende eines Weges“ angekommen ist: „Hanna Krall, die Chronistin der Erinnerung an die untergegangene jüdische Welt aus Warschau, braucht man heute nicht mehr vorzustellen. Sie hat es mit ihrer unverwechselbaren dokumentarischen Prosa

Bruno Schulz
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Bruno Schulz

verstanden, dem Rohmaterial der oral history eine neue Form abzutrotzen, die es verknappt, verdichtet, zu einer imaginären poetischen Landkarte verwebt, auf der das Unwiederbringliche vor dem Vergessen bewahrt wird. Heute - nach ungefähr zwei Jahrzehnten unermüdlicher Spurensuche im heimatlichen Polen und in der Diaspora -führt das Graben in der Vergangenheit

zunehmend lückenhafte, im Auflösungsprozeß befindliche Fundstücke ohne genaueDatenzuordnung zutage. Eine Chronistin des Holocaust musste darauf gefaßt sein, eines Tages an diese Grenze zu stossen, da anzukommen, wo der Generationenverbund ganz zerrissen ist und das Schweigen beginnt. Hanna Krall macht weder sich selber noch uns etwas vor, sondern läßt in ihrem neuen Erzählband «Ach du bist Daniel» die vorgefundenen «weißen Stellen» als auffälligstes Signal einer Veränderung stehen. Auch der Umfang des schmalen Bändchens kündigt das Ende eines Weges an.“
Ihre literarische Form ist die „literarische Reportage“ oder das „dokumentarische Märchen“, wie Michal Cichy es beschrieben hat, in der sie mit sachlich direktem, nie kommentierendem Stil die ihr anvertrauten Geschichten transportiert.

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