1863 betraute Bismarck den Adjutanten Wilhelms I. mit der Mission, in St. Petersburg eine Verständigung über die Niederschlagung des polnischen Aufstandes zu treffen.
Gustav von Alvensleben, 1803 auf dem Sitz der Familie in der Provinz Sachsen geboren, schlug, wie seine adelig-preußische Herkunft nahelegte, eine militärische Laufbahn ein. Auf einige Jahre in einem renommierten Regiment folgt die Beförderung zum Bataillonskommandeur. Allerdings hat Alvensleben nur vorübergehend ein Truppenkommando, denn er diente an zwei norddeutschen Höfen, dem von Mecklenburg-Strelitz und dem von Lippe-Detmold, mehrere Jahre als persönlicher militärischer Erzieher der jugendlichen Prinzen. 1854 wird er Chef
des Stabes im Militärgouvernement des Rheinlandes und Westfalens, das dem Prinzen von Preußen, dem späteren König und Kaiser Wilhelm I. unterstellt ist. Dieser nimmt ihn , als er 1858 die Regentschaft für seinen Bruder antritt, mit nach Berlin und Potsdam und ernennt ihn zum neuen Generaladjutanten anstelle des hochkonservativen Leopold von Gerlach. In diesem Zusammenhang schrieb Bismarck in seinen Memoiren:
„An dem prinzlichen Hofe hatte das staatliche Interesse in der Abwehr von Schädigungen durch weibliche Einflüsse (gemeint ist die Gemahlin Wilhelms, Elisabeth) einen festen und klugen Vertreter an Gustav von Alvensleben (...).“ Diesem zuverlässigen Gefolgsmann betraute Bismarck zu Beginn des Jahres 1863 mit einer heiklen Mission nach St. Petersburg, deren Ergebnis als „Alvenslebensche Konvention“ in die Geschichtsbücher eingegangen ist. In dieser vereinbarten Preußen und Rußland gegenseitige Hilfe bei der Verfolgung polnischer Aufständischer. Seit den polnischen Teilungen war es zu einer der Konstanten der europäischen Politik geworden, daß sich Preußen und Rußland auf dem Rücken der Polen einigten. Zwar hatte Bismarck vor allem eine Annäherung Rußlands und Frankreichs verhindern wollen, doch nahm er die Konsequenzen für die Polen bedenkenlos in Kauf und schuf so einen verhängnisvollen Präzedenzfall.![]()
Gustav von Alvensleben wird auch im Zusammenhang mit dem „Deutschen Krieg“ von 1866 mit diplomatischen Missionen beauftragt. 1870/71 führt er ein Armeekorps. Hochdekoriert tritt er 1872 in den Ruhestand und zieht sich nach Gernrode im Harz zurück, wo er 1881 stirbt.