Die Stadt Kopernikus'
Thorn, das polnische Torun ist nicht nur durch den berühmtesten Sohn dieser Stadt, den Astronomen Nikolaus Kopernikus bekannt, sondern auch für seine besondere Spezialität, die polnischen „piernik“ - Lebkuchen - die jährlich Touristen auf den Spuren der deutschen Kultur in die Stadt locken.
Thorn wird 1233 durch Ritter des Deutschen Ordens gegründet, die der Stadt nach der in Palästina aufgegebenen Kreuzritterfestung Torun den Namen geben. Rund um die im folgenden Jahr errichtete Burg des Ordens entsteht auf der rechten Seite der Weichsel (Wisla) die spätere Altstadt von Thorn.
Durch ihre günstige Verkehrslage entwickelt sich die Stadt an der Weichsel zu einem
bedeutenden Handelszentrum. Im 14. Jahrhundert tritt sie dem Hansebund ein, in dem sie rasch eine wichtige Rolle einnimmt.
Von besonderer Bedeutung für die deutsche Geschichte ist die Stadt Thorn in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, als der Niedergang des Deutschen Ordens nach der Schlacht bei Tannenberg von 1410 eingeleitet
wird. Thorn wird zum Schauplatz des ersten Friedensschlusses vom 1. Februar 1411, in dem es den Rittern des Ordens noch weitgehend gelingt, ihre Gebiete in Besitz zu halten - der Niedergang des Ordens ist jedoch unaufhaltsam.
Diesen Niedergang des Ordensstaates wissen die Bürger von Thorn zu nutzen. Ebenso wie die Städte Danzig und Elbing sagt sich Thorn
im Jahr 1454 von dem Deutschen Orden los und tritt dem Preußischen Bund bei. In einem dreizehnjährigen Krieg zwischen Polen und den Ordensrittern begeben sich die Bürger Thorns unter den Schutz der polnischen Krone. In dem Zweiten Thorner Frieden vom 19. Oktober 1466 wird der Ordensstaat gezwungen, Thorn, Danzig und die anderen abgefallenen Städte sowie die Marienburg an Polen abzutreten. Für den Rest des Ordensstaates müssen die Ritter dem polnischen König den Treueid leisten. Die Stadt Thorn gehört nun bis zum Jahr 1793 der polnischen Adelsrepublik an.
Sieben Jahre nach dem Friedensschluß, am 19. Februar 1473, wird der berühmteste Sohn dieser Stadt geboren - Nikolaus Kopernikus.
Mit seiner These, daß sich die Erde um die Sonne dreht, hat der Astronom aus Thorn die Wissenschaft in erheblichem Maße beeinflußt.
Nach dem Niedergang der polnischen Adelsrepublik und den ersten zwei Teilungen Polens gelangt die Stadt
Thorn nach der dritten Teilung Polens 1793 in den Besitz des preußischen Staates. Es folgt eine kurze Unterbrechung in den Jahren von 1807 bis 1813, als Napoleon die preußischen Truppen vertreibt und der Herzogtum Warschau errichtet, dem die Stadt an der Weichsel angeschlossen wird. Nach der Niederlage Napoleons und dem Rückzug der französischen Truppen fällt Thorn wieder unter preußische Herrschaft. Es wird in den folgenden Jahren zur Festung ausgebaut und nach der deutschen Reichseinigung Teil des deutschen Kaiserreiches. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Wiederherstellung des polnischen Staates wird 1920 die deutsche Herrschaft über Thorn beendet, das nun wieder zu einem polnischen Staat gehört.
Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges und der Kapitulation Polens wird Thorn von deutschen Truppen besetzt und an das Reichsgau Danzig-Warthegau angeschlossen. Die Zeit des Krieges übersteht die Stadt weitgehend unzerstört. Mit dem Abschluß
des Versailler Vertrages wird Thorn Teil der Volksrepublik Polen.
Heute gehört Thorn mit seinen 335 Baudenkmälern aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit zu den wichtigen Kulturstätten Europas und ist im Jahr 1997 als Weltkulturerbe in der UNESCO-Liste aufgenommen worden.