Die Hafenstadt mit dem bekannten Seebad wurde 1945 polnisch. Heute kommen wieder erholungssuchende Berliner an die Ostsee.
Die Swine ist die mittlere der drei Verbindungen zwischen dem Stettiner Haff und der Ostsee. An ihrem zum Meer hin gelegenen Ende liegt auf beiden Seiten des Stromes Swinoujscie, das ehemalige Swinemünde. Im Mittelalter entwickelten sich an dieser Stelle die Fährdörfer Ost- und Westswine , die die Inseln Usedom und Wollin miteinander verbanden. Herzog Boleslav I. von Pommern sicherte den Übergang Ende des 12. Jh. mit zwei Burgen, ein kleiner Hafenort entstand. Mit dem Dreißigjährigen Krieg wurde der Hafen jedoch vollends bedeutungslos, da der meiste Verkehr zwischen Oder und Ostsee nach dem Willen der
Schweden über die westlich gelegene Peene mit der Hafenstadt Wollgast abgewickelt wurde. Erst Friedrich Wilhelm I. von Preußen plante, das 1720 an Preußen gefallenen Stettin zu fördern, indem er die versandete Swine schiffbar machen und so die auf der Peene erhobenen schwedischen Zölle umgehen wollte. Sein Sohn Friedrich II. gründete sozusagen als Übergangslösung 1765 die Hafenstadt
Swinemünde. Die Bauarbeiten an der Fahrrine der Swine wurden 1823 endlich vollendet. Dadurch, daß nun nur noch die größeren Schiffe darauf angewiesen waren, ihre nach Stettin gehende Ladung in Swinemünde auf sog. Leichter umzuladen, verlor der Hafen von Swinemünde erheblich an Bedeutung. Zur gleichen Zeit entstanden an der Ostsee die
ersten Seebäder, und den Swinemünder Bürger gelang es, sich mit dem Kurbetrieb eine neue wirtschaftliche Grundlage zu schaffen. Aus Berlin kam eigens Peter Josef Lenné, um den direkt am Wasser gelegenen Kurpark zu gestalten. Um 1830 verlebte Theodor Fontane einige Kindheitsjahre in Swinemünde, die in seinem Werk Spuren hinterließen.
Damals hatte die Stadt ca. 4000 Einwohner.
Nach einem vorübergehenden Tief bei der Zahl der Badegäste entstand ab 1888 der Stadtteil Swinemünde-Bad, ein Villen- und Kurviertel direkt am Meer, wie es zu dieser Zeit Mode geworden war. 1914 hatte die Stadt 15.000 Einwohner, auf die dreimal so viele Badegäste kamen. Der Zeit vor dem I. Weltkrieg verliehen außerdem Flotten- und Fürstenbesuche Glanz. Jeden Sommer kehrte der Kaiser über Swinemünde von seinen Nordkapfahrten nach Berlin zurück.
In den 20er und 30er Jahren konnte sich die Stadt als Badeort behaupten. Der II. Weltkrieg
suchte die Stadt erst gegen Ende, doch dann um so heftiger heim. Der Hafen wurde zu einer wichtigen Anlaustelle für Flüchtlinge aus dem Osten, die per Schiff evakuiert worden waren und hier in Züge umstiegen. Dasselbe galt für Trecks, die auf einer Schiffbrücke über die Swine setzten. Am 12. März 1945 erlebte die Stadt – seit 1920 auch
Marinehafen und Anfang 1945 zur Festung erklärt – einen schweren Luftangriff, bei dem viele Tausende Flüchtlinge, Soldaten und Einwohner ums Leben kamen. Zu Kriegsende am 8. Mai war die Stadt verlassen. Sich gegenseitig mißtrauende Sowjets und Polen teilten sich die Verwaltung, es kam zu den üblichen Plünderungen. Wie im Falle Stettins schien die Zukunft Swinemündes zunächst ungewiß; im Juni und Juli forderten Plakate die Bewohner zur Rückkehr auf, doch nur wenige folgten dem Aufruf. Im Dezember erschienen dann die ersten polnischen Umsiedler und nahmen die ihnen zugewiesenen Werkstätten und Wohnungen in Besitz.
Heute ist Swinoujscie ganz Hafenstadt. Es gibt ein Fährterminal, einen Fischereihafen sowie den größten polnischen Umschlaghafen. Entsprechend ist die Zahl der Einwohner gestiegen; heute leben 45.000 Menschen in der Stadt. Zugleich ist Swinoujscie Seebad geblieben und zieht wie eh und je Menschen aus Berlin und Stettin an, die hier Erholung suchen.