Pommern - Pomorze 1800-1918

Im 19. Jh. blieb Pommern eine relativ arme Agrarregion.

Als Preußen 1806/07 Napoleon unterlag, machte Pommern keine Ausnahme und leistete den Franzosen mit Ausnahme Kolbergs keinen Widerstand. Die anfänglich profranzösische Stimmung kippte jedoch, als die Besatzer immer mehr Kontributionen erhoben. Zur Unruhe der Zeit trugen die Stein-Hardenbergschen Reformen bei, insbesondere die Bauernbefreiung traf beim pommerschen Adel auf starken Widerstand. Zugleich profitierten die Küstenregionen von der politischen Lage, indem sie durch Umgehung der Kontinentalsperre große Profite machten. Nach dem Ende Napoleons kam 1815 auch das restliche Schwedisch-Vorpommern nach einigen Verwicklungen und gegen territoriale und finanzielle Kompensationen an Preußen.
Die Modernisierung des 19. Jh. betraf Pommern sehr ungleichmäßig. Stettin, das Tor Berlins zur

Pommern
Vollbild mit Infos
Otto von Bismarck: Pommerscher Gutsherr und Reichskanzler

Deutsche-und-polen.de bietet mit fast 400 Videos und 500 Textstatements einen bilderreichen und informativen Streifzug durch 1000 Jahre wechselvoller deutsch-polnischer Nachbarschaft.

Ostsee, wuchs bis zum I. Weltkrieg auf 200.000 Einwohner an und wurde eine moderne Industrie- und Hafenstadt. Die übrigen Städte Pommerns blieben dagegen weit zurück, doch konnten sich einige erfolgreich zu Kur- und Badeorten wandeln. Um 1900 lebten noch 60 % der gut 1,7 Mio. Pommern auf dem Land und arbeiteten viel häufiger in der Landwirtschaft als im übrigen Reich.

Vollbild mit Infos
Der Strand von Swinemünde um 1900
Swinemünde
Stettin
Vollbild mit Infos
Die Hansabrücke in Stettin um 1920

Die geringen Zukunftsaussichten und schlechten Verdienstmöglichkeiten veranlaßten hunderttausende Pommern, das Land in Richtung Westen zu verlassen. Eine weitere Bewegung nach Westen waren die polnischen und ukrainischen Saisonarbeiter, die zur Erntezeit aus den russischen und österreichischen Teilungsgebieten Polens kamen.

Das Agrarland Pommern mit seinem – keineswegs ausschließlich adeligen – Großgrundbesitz war einer der Hauptstützen des preußischen Konservativismus. Zwar hatte das Jahr 1848 gezeigt, daß es in Pommern durchaus liberale Politiker und Journalisten gab, und der Rügener Ernst Moritz Arndt war – nicht ohne antisemitische und antipolnische Ressentiments – jahrzehntelang ein Vorkämpfer eines freiheitlichen deutschen Nationalstaats, doch blieb das von den Gutsherren dominierte flache Land von all dem unberührt. Wie schon die Bauernbefreiung brachte das Revolutionsjahr Adelskreise zum Vorschein, die bereit waren, ihre privilegierte Stellung und ihre Überzeugungen politisch und publizistisch zu verteidigen. Der bekannteste von ihnen war Otto von Bismarck (, der seine politische Heimat jedoch hinter sich ließ). Die „pommersche Vendée“ (Franz Mehring)

Erster Weltkrieg und Wiederherstellung Polens 1914-1918
Vollbild mit Infos
Deutsche Militärverwaltung in Warschau

blieb bis zum Ende des Kaiserreichs – und darüber hinaus – ein Hort der preußischen und deutschen Konservativen, die dem Staat Schutzzölle und ‚Osthilfe‘-Subventionen zugunsten der Landwirtschaft abrangen und gegen die Weimarer Republik arbeiteten.

19.2.1772    24.7.1792    1795    1800    19.10.1813    1815    1820    1830    2.8.1847    1848    8.2.1863    1864    1880    3.11.1894    1901    1904    26.8.1914