Ost- und Westpreußen 1918-2002

Der II. Weltkrieg beendete die deutsche Geschichte Ost- und Westpreußens, das heute zu Polen und Russland gehört.

Als sich Ende 1918 die Wiederherstellung des polnischen Staates abzeichnete, versperrte Westpreußen diesem den Zugang zum Meer, der in den 14 Punkten Woodrow Wilsons aufgeführt worden war. Dementsprechend fiel ein Teil Westpreußens mit dem Hafenort Gdingen an Polen, doch setzte sich die polnische Delegation auf der Pariser Friedenskonferenz nur zum Teil durch, da Ostpreußen großenteils deutsch blieb sowie Danzig zum Freistaat erklärt wurde. Somit entfielen in Danzig auch die Volksabstimmungen, die in den übrigen Gebieten Westpreußens sowie im Südwesten Ostpreußens durchgeführt wurden und ein klares Votum für Deutschland ergaben, während zwei Drittel der Deutschen aus den nunmehr polnischen Gebieten ihre Heimat verließen. In der Folgezeit wurde in Ostpreußen

Ostpreußen
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Nach der Flucht aus Ostpreußen

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vielfach über die Folgen der „Abschnürung“ vom übrigen Reichsgebiet geklagt, und obwohl man auch in Polen vielfach unzufrieden mit dem „Korridor“ war und manche Schwierigkeiten nicht eben verhinderte, übertrieb man auf deutscher Seite zweifellos die Konsequenzen für das Land, da es nicht zuletzt darum ging, ‚Osthilfe‘-Subventionen loszuseisen. Entgegen der Darstellungen aus

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Der Versailler Vertrag
Der Versailler Vertrag 1919
Paul von Hindenburg
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Paul von Beneckendorff und Hindenburg

Ostpreußen ging es dem Land relativ gut, und es überholte einige fortschrittliche Regionen im Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum. Eine Gruppe, die ein besonderes Interesse an der Osthilfe hatten, waren die – in der Regel verschuldeten – Gutsbesitzer, die seit Ende der 20er Jahre verstärkt Einfluß auf

Reichspräsident Hindenburg nahmen und mit ihrem Drängen auf die Osthilfe die Krise der Weimarer Republik verschärften.
Hatte die NSDAP in Ostpreußen bis Anfang der 30er Jahre nur ein Schattendasein geführt, so erhielt sie bei der halbfreien Wahl im März 1933 mit 56,5 % ihr reichsweit bestes Ergebnis. Als Hitler 1939 nach fünf Jahren scheinbar guter Beziehungen zu Polen die Revisionsforderungen „Korridor“ und „Danzig“ auf die politische Tagesordnung in Europa setzte, zielte er längst auf die Umsetzung seiner Lebensraumphantasien. Zu diesem Zweck begann er den II. Weltkrieg, der Ostpreußen härter traf als irgendeine andere Region Deutschlands. Eine Art Vorspiel war der mißglückte Staatsstreich vom 20. Juli 1944, in dessen Folge zahlreiche Vertreter der alten Eliten Ostpreußens hingerichtet wurden. Nachdem das Leben hier lange Zeit vom Krieg verhältnismäßig unberührt geblieben war, überrannte die Rote Armee ab dem 13. Januar 1945 Ostpreußen und die Gebiete westlich der Weichsel. Die Zivilbevölkerung traf die ganze Härte der Übergriffe von Soldaten, die von den deutschen Greueln in der Sowjetunion wußten

Erich Koch
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Erich Koch

und zudem durch Haßpropaganda aufgestachelt waren. Die Hälfte der 2,4 Mio. Ostpreußen begab sich auf die Flucht vor Vergewaltigung, Raub, Mord, und blinder Zerstörung. Etwa 300.000 verloren ihr Leben. Die Mehrheit der Flüchtlinge konnte über die See aus Häfen gerettet werden, die die Wehrmacht noch bis

April und Mai halten konnte. Auf dem bis zuletzt von ihr verteidigten preußischen Gebiet lag das KZ Stutthof, das zur Unterdrückung der polnischen Opposition in Danzig und Westpreußen gebaut worden war. Nach Kriegsende wurden die verbliebenen bzw. zurückgekehrten Ost- und Westpreußen zum Zwecke der Westverschiebung Polens „umgesiedelt“, und Polen traten an ihre Stelle. Auf der Potsdamer Konferenz behielt sich Stalin das Gebiet um Königsberg, die heutige Oblast Kaliningrad, vor, die durch eine willkürliche Grenzziehung vom übrigen Ostpreußen abgetrennt wurde. Unter den – zumeist stark zerstörten – Städten, die an Polen fielen, genossen einen gewissen Vorzug, während andere Städte wie Elbing vernachlässigt wurden. Besonders Danzig spielte eine besondere wirtschaftliche und politische Rolle in der Nachkriegsgeschichte; 1980 unterschrieb hier Lech Walesa mit seinem übergroßen, mit Heiligenbildern verzierten Kugelschreiber das Abkommen zwischen der Solidarnosc und der Regierung. Günter Grass, ein weiterer Danziger, schrieb mit der ‚Blechtrommel‘ den für die Bundesrepublik wichtigsten Roman zum „Dritten Reich“.

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