Die Residenz der Herzöge von Liegnitz war einer der bedeutendsten Städte Niederschlesiens und wurde im 19. und 20. Jh. zu einem wirtschaftlichen Zentrum.
Liegnitz, 50 km westlich von Breslau gelegen, ging aus einem befestigten Marktflecken an einer Furt der Katzbach hervor. Hier kreuzte sich die „Hohe Straße“ von Leipzig nach Breslau mit dem Weg von Glogau über das Riesengebirge nach Böhmen. Der Piastenherzog Boleslaus errichtete vor 1200 eine Burg, in der er häufig residierte. Sein Sohn Heinrich I. fiel 1241 in der bei Liegnitz geschlagenen Mongolenschlacht, sein Enkel Boleslaus II. baute die Stadt planmäßig wieder auf, die zur Hauptstadt des größten schlesischen Fürstentums wurde. 1293 erhielt sie das Magdeburger Recht. Ein bedeutender Herrscher war zu Beginn des 16. Jh. Herzog Friedrich II. Er gründete die erste protestantische Universität überhaupt, die jedoch bald an Geldmangel einging. Mit den Hohenzollern schloß er die
Erbverbrüderung, d. h. die beiden Häusersetzten sich gegenseitig als Erben ein, falls eines von ihnen aussterben sollte. Während des Dreißigjährigen Krieges, der Liegnitz schwer heimsuchte, war dort der Dichter Martin Opitz als herzöglicher Rat tätig. 1675 starb der letzte Piast, das Land fiel an die Habsburger; die Gegenreformation hielt Einzug. Ihre sichtbaren Zeichen sind die barocken
Bauten, z. B. die Piastengruft, das außerhalb gelegene Kloster Wahlstatt und die Ritterakademie. Letztere war die wichtigste Bildungsstätte für den schlesischen Adel und stand beiden Konfessionen offen.
Im Jahr 1740 erhob Friedrich II. unter Berufung auf die 200 Jahre zuvor geschlossene Erbverbrüderung mit
den Herzögen von Liegnitz zweifelhafte Ansprüche auf Schlesien. Liegnitz verlor unter der preußischen Herrschaft weiter an Bedeutung. Erst nach 1850 stieg sie zur drittgrößten niederschlesischen Stadt nach Breslau und Görlitz auf. Ein wirtschaftliche Pfeiler waren der Gemüseanbau, dessen bedeutendstes Produkt die damals allseits bekannten „Liegnitzer
Sauren Gurken“ waren. Dazu kam in der Industrie der Klavierbau; 1913 zählte man Stadt 12 Klavierfabriken, von denen die heute in Kitzingen produzierende Firma Seiler die größte war. Der Wohlstand der Stadt spiegelte sich u. a. in den vielen Parks wider. Liegnitz galt als Gartenstadt und sah zahlreiche Gartenausstellungen. Hauptattraktion war der 600 qm große beheizte Teich im alten Stadtpark, in und um den tropische Pflanzen wuchsen.
In den Märzwahlen 1933 erreichte die NSDAP in Liegnitz die absolute Mehrheit. Während des Krieges kamen viele Evakuierte und Industriebetriebe in die vor Luftangriffen lange Zeit sichere Stadt, die Einwohnerzahl stieg von 77.000 auf 85.000.