Die ehemalige Hauptstadt Polens
Krakau - die Stadt an der Wisla (Weichsel) und ehemalige Hauptstadt der Polen. Diese „Stadt der sprechenden Steine“, in der verschiedenen Nationen und Epochen ihre Spuren hinterlassen haben, gehört zu den großen Kulturdenkmälern Europas. Ihre Entstehung ist von Legenden umwoben. So erzählen sich die Polen, die Stadt sei im 7. Jahrhundert von dem polnischen Fürsten Krak gegründet worden. Nach der Legende weigerte sich seine Tochter Wanda, einen deutschen Herzog zu heiraten und konnte so die Unabhängigkeit ihres Landes bewahren. Nach dem Tod ihres Vaters übernahm sie die Herrschaft über die Stadt. Sie war eine entzückende,
schöne und kluge Jungfrau. Ihr außergewöhnlicher Verstand, ihre Augen so blau wie die Weichsel und ihr langes Haar, so golden wie der Flachs in den Feldern, waren überall, auch in den angrenzen Ländern, bekannt. Viele fremde Prinzen warben um ihre Hand, unter ihnen auch der junge, tapfere Prinz Rydygier. Er schickte seinen Heiratsvermittler
nach Krakau, die mit prächtigen Gaben aus Gold und Edelsteinen die Prinzessin zur Heirat bewegen sollten. Dabei drohte er, falls die Prinzessin seinen Heiratsantrag ablehnen sollte, würde er ihr Land erobern. Nach diesem Ultimatum wollte Wanda nichts mehr von der Heirat mit Rydygier wissen. Sie lehnte den Antrag ab und stellt sich der Herausforderung. Die erste schriftliche Überlieferung
über Krakau stammt aus dem 10. Jahrhundert. In seinen Reisenotizen berichtet der arabische Kaufmann Ibrahim Ibn Jakub über eine bedeutende Handelsniederlassung an der Weichsel, an der sich die Bernsteinstraße sowie die Route zwischen Prag und Krim kreuzen. 1038 beschließt der polnische König, die Hauptstadt von Gnesen nach Krakau zu verlegen - der Wawel wird zur offiziellen Königsresidenz. Bei dem Einfall der Tataren im Jahr 1241 wir die Stadt nahezu vollständig verwüstet. Doch schon bald folgt der Wiederaufbau und Krakau wird - mit zahlreichen Privilegien ausgestattet - zum Handelsplatz, insbesondere für deutsche Kaufleute. Sie genießen hier volle Bürgerrechte und nehmen bald wichtige Funktionen in der Stadt ein. Ihre Macht manifestiert sich in der Übernahme des Deutschen als Amtssprache. Krakau, das seit 1439 zur Hanse gehört, entwickelt sich zu einem bedeutenden
Handelszentrum im spätmittelalterlichen
Europa. Im 15. und 16. Jahrhundert erlebt die Stadt ihre politische, wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Veit Stoß, der bekannte Bildhauer aus Nürnberg, zieht 1477 hierher und erschafft seinen
berühmten Marienaltar. Im Zeichen der Renaissance entstehen wichtige Gebäude der Stadt, unter anderem die Marienkirche und die umliegenden
Bürgerhäuser. Daneben lockt die Universität von Krakau, die 1364 als Akademie gegründet wird und über die der deutsche Geograph Hartmann Schadel 1493 in seiner Weltchronik berichtet. 1572 endet mit dem Tod des letzten Jagiellonen, Sigismund II. das „Goldene Zeitalter“ Krakaus. Im schwedisch-polnischen Kireg (ab 1621) wird die Stadt verwüstet, im Nordischen Krieg (ab 1700) erneut belagert. Krakau, das bereits 1607 den Titel als Hauptstadt an Warschau verloren hat, beginnt zu verfallen. Nach dem gescheiterten Aufstand unter Tadeusz Kosciuszko und der dritten Teilung Polens fällt die Stadt an der Weichsel unter österreichische Herrschaft.