Nach der Angliederung an Preußen unter Friedrich II., der die Stadt als "Perle in der Krone" bezeichnete, wurde Breslau immer wieder zur Befriedigung der finanziellen Nöte ihres neuen Herrschers herangezogen.
Verwandelt in eine Festung, prägten nun die hier stationierten Soldaten und die Investitionen für militärische Zwecke das Bild der Stadt. Wohl deshalb machte Breslau einen so schlechten Eindruck auf Goethe, der 1790 schrieb: "Und wieder sind wir in dem lauten, dreckigen und stinkenden Breslau, von dem ich glaube, bald befreit zu werden."
Erst Ende des 18. Jahrhunderts begann sich die Stadt wieder zu erholen. Während der Napoleonischen Kriege
waren über fast zwei Jahre französische Soldaten in Breslau stationiert. Trotz der damit verbundenen finanziellen Belastungen wurden die Franzosen bei ihrem Abzug herzlich verabschiedet, denn die Stadt verdankte ihnen einen neuen Aufschwung: Durch die Anordnung, die mittelalterlichen Stadtmauern einzureißen und Breslau mit seinen Vororten
zu verbinden, hatte sich die Stadt um das sechzehnfache vergrößert. Mit dem Ziel, zusätzliche Mittel zur Finanzierung des Krieges gegen Napoleon zu erschließen, ordnete der preußische König Friedrich Wilhelm III. die Säkularisierung von Orden an. Dies bedeutete für Breslau, dass von vierzehn Klöstern nur drei übrigblieben. Das Inventar wurde
verkauft, und die Gebäude öffentlichen Einrichtungen – unter anderem der 1811 aus der Leopold-Akademie und der protestantischen Universität Viadrina in Frankfurt Oder entstandenen Breslauer Universität – zur Verfügung gestellt. 1813 residierte der preußische König mehrere Monate in Breslau, hier rief er den Orden "Das Eiserne Kreuz" ins Leben.
1821 wurde die katholische Kirche in Breslau direkt dem Papst unterstellt. Anders als die Stadt war die Breslauer Kirche zuvor stets der polnischen Kirchenverwaltung in Gnesen unterstellt gewesen. Im Revolutionsjahr 1848 erreichte Breslau das "Echo des Frühlings der Völker", und nach der Reichsgründung 1871 begann für die Stadt eine Phase der Stabilität und Prosperität. So entstanden neue Eisenbahnverbindungen und Europas größte Waggonfabrik, die Linke-Hoffmann-Werke. Mit Hilfe der Reparationszahlungen aus Frankreich konnten neue öffentliche Gebäude, Straßenbahnen und ein Kraftwerk errichtet werden.
In dem hell erleuchteten Stadtzentrum eröffneten Niederlassungen von Kaufhäusern und Banken. Für die Breslauer Bürger wurden ein Zoo und eine Bibliothek eröffnet. In der Nähe des Zoos entstand anläßlich des hundertsten Jahrestages der Völkerschlacht bei Leipzig eine "Jahrhunderthalle" nach Entwürfen des Architekten Max Berg.
Breslau veränderte auch in anderer Hinsicht sein Gesicht: Die Bevölkerung bestand aus immer mehr Arbeitern. Ferdinand Lassalle, der Gründer des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins, wurde 1825 in Breslau geboren, studierte hier Philosophie und liegt hier begraben. Viele berühmte Persönlichkeiten wie Lessing, Carl Maria von Weber und Bismarck lebten zumindest zeitweise in Breslau. Schicksalhaft verband die Stadt Jozef Wybicki und August Hoffmann von Fallersleben, die Autoren der beiden Nationalhymnen. Breslau zu Beginn des 20. Jahrhunderts war eine aufstrebende, vielschichtige Stadt, in der eine halbe Million Menschen lebten.