Breslau - Wroclaw 1000-1763

Die Anfänge Breslaus liegen in Ostrow Tumski, der Dominsel.

Bis man sich 1824 entschied, einen der Flussgräben zuzuschütten, war das Gebiet eine Insel, und die beiden Arme der Oder bildeten die natürliche Begrenzung der Ansiedlung. Der Fluss diente der Bevölkerung nicht nur als Nahrungsquelle, sondern auch als Verkehrs- und Kommunikationsweg. Zudem verliefen in der Nähe in nord-südlicher und ost-westlicher Richtung zwei wichtige Handelsrouten, und so stritten sich rivalisierende slawische Völker um dieses attraktive Territorium.
Breslau gehörte in der erste Phase seiner Existenz wahrscheinlich zum Territorium des tschechischen Prinzen Vratislaw I. (gestorben 921), der der Legende

Breslau Wroclaw 1
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Der Breslauer Dom

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nach auch der Stadtgründer war. Mieszko I., der die polnischen Stämme vereinigte, hat Breslau zusammen mit ganz Schlesien um das Jahr 990 erobert. Zum entscheidenden Datum für die Stadt aber wurde das Jahr 1000, als Mieszko I. Breslau zum Bistum machte. Ostrow Tumski wurde nun zum politischen und

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Breslau: Panorama im 17. JH
Breslau Wroclaw 1763-1918
Breslau Wroclaw 1945-2002
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Das Breslauer Wappen

geistigen Zentrum, und die Stadt Breslau zu einer der wichtigsten Städte Polens. Das Jahr 1241 brachte Breslau einen weiteren Entwicklungsschub, als die Stadt in das Magdeburger Recht einbezogen wurde. Die Grenzen wurden erweitert, und das Befestigungssystem sorgte für mehr Sicherheit. Die Stadt, die bereits ein Handelszentrum und reich

an Privilegien war, bekam einen großen Marktplatz, auf dem das Rathaus erbaut wurde. Das ethnische Bild veränderte sich ebenfalls: Mehr und mehr deutsche Siedler kamen nun nach Breslau, die bald in den wichtigsten Ämtern der Stadt und der Kirche zu finden waren.
Das Goldene Jahrhundert erlebte Breslau unter den tschechischen Königen. 1335 starb der letzte Piastenherrscher Henryk VI. Die Stadt wurde Jan Luksemburg übergeben und nahm sofort einen wichtigen Platz unter der tschechischen Krone ein. Breslau stand in diesem Teil Europas nach Prag in Größe, Bevölkerungszahl und wirtschaftlicher Stärke an zweiter Stelle. Dieser fast zweihundertjährigen Phase unter tschechischer Herrschaft verdankt Breslau zahlreiche gotische Bauten, zugleich aber war das 15. Jahrhundert von sozialen und religiösen Konflikte bestimmt. Es kam zu Judenpogromen, und viele Menschen verloren ihr Leben auf dem Scheiterhaufen.

1526 kam Breslau mit ganz Schlesien und Tschechien für 215 Jahre unter Habsburgische Herrschaft. In dieser Zeit schwand der politische Einfluss der Stadt, sie verlor ihre Unabhängigkeit. Als Reaktion auf die Predigten des ehemaligen katholischen Priesters Jan Hess gewann der Protestantismus in Breslau an Zulauf, was wiederum Habsburg missfiel. 1530 bekam Breslau unter Ferdinand I. sein Stadtwappen, das mit Unterbrechungen bis heute in Gebrauch ist. Die weitere Entwicklung der Stadt wurde durch den Dreißigjährigen Krieg beeinträchtigt. Dem Ansturm der Türken konnte Breslau zwar militärisch widerstehen, der wirtschaftliche Zusammenbruch jedoch war nicht zu verhindern. Hinzu kamen noch Seuchen und Naturkatastrophen.
Zur Ruhe fand Breslau erst wieder in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Durch den Oder-Spree-Kanal wurde eine wichtige Verkehrsverbindung mit Berlin geschaffen. Neue Sakralbauten, nunmehr im Stil des Barock, entstanden.

1702 verlieh Leopold II. den Jesuiten das Recht, eine höhere Schule (Leopold-Akademie) zu gründen, aus der später die Universität entstand. 1740 fiel Friedrichs II. in Schlesien ein. Breslau wurde durch die preußischen Truppen besetzt, die Empörung in der Stadt war groß. Nach den Schlesischen Kriegen mit Österreich fiel ganz Schlesien und damit auch Breslau durch die Friedensregelung von 1763 endgültig an Preußen. Die Stadt war stark zerstört, wurde mit hohen Steuern belegt, nahm nun aber auch eine führende Stellung innerhalb Preußens ein.

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