Annaberg - Gora Swietej Anny

Der Wallfahrtsort in Oberschlesien wurde zum Symbol für den Kampf zwischen Polen und Deutschen um die Region.

Der 410 Meter hohe Annaberg liegt etwa 30 Kilometer südöstlich von Opole (Oppeln) in Oberschlesien. Der Basaltkegel ist nach der Heiligen Anna benannt, der Mutter Marias und Schutzpatronin der Mütter, der Kaufleute und – in der Bergbauregion Oberschlesien besonders wichtig – der Bergleute. Die Menschen aus der Region verehrten dort seit etwa 1600 eine im 14. Jh. gefertigte, wundertätige Figur, die in schlichter Form die Hl. Anna mit Maria und dem Jesuskind (Anna selbdritt) darstellt. Auf dem Berg entstand 1656 ein Franziskanerkloster, um der wachsenden Schar von Pilgern gerecht zu werden. Hinzu kam ein 1771 eingeweihter großer Kreuzweg hinzu. Im Gottesdienst für die oft zwei- oder gemischtsprachigen Oberschlesier waren deutsch und polnisch lange gleichberechtigt.

Annaberg
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Das polnische Ehrenmal auf dem Annaberg

Deutsche-und-polen.de bietet mit fast 400 Videos und 500 Textstatements einen bilderreichen und informativen Streifzug durch 1000 Jahre wechselvoller deutsch-polnischer Nachbarschaft.

Immer wieder wurde die fromme Weltabgeschiedenheit auf dem Annaberg vom Zeitgeschehen eingeholt. 1810 mußten die Franziskaner ihr kurz zuvor säkularisiertes Kloster verlassen und konnten erst knapp 50 Jahre später zurückkehren, nur um 1875, auf dem Höhepunkt des Kulturkampfs, wiederum für sieben Jahre vertrieben zu werden. 1938,

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Mieczyslaw Ledóchowski (1822-1902)
Mieczyslaw Halka-Ledochowski
Alfons Nossol
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Alfons Nossol

Videoals der Annaberg längst zum religiösen Mittelpunkt Oberschlesiens geworden war, demonstrierten 130.000 Wallfahrer trotz aller Behinderungen durch die Nazis, daß sie dem alten Glauben treu blieben. 1941 beschlagnahmte die Gestapo die Gebäude, um dort umgesiedelte Deutsche unterzubringen. 1945 übernahmen polnische Mönche das Kloster.

Am folgenschwersten für die Bedeutung des Annabergs im polnischen und deutschen Gedächtnis waren jedoch die Ereignisse nach dem Ersten Weltkrieg. Die Volksabstimmung vom 10. März 1921, die über die staatliche Zugehörigkeit Oberschlesiens entscheiden sollte, hatte eine Mehrheit für den Verbleib bei Deutschland ergeben, ein Ergebnis, mit dem sich die polnische Nationalbewegung unter Wojciech Korfanty nicht abfinden wollte. Am 3. Mai begann die polnische Militärorganisation den Dritten Oberschlesischen Aufstand und besetzte beinahe das gesamte Abstimmungsgebiet. Die deutsche Seite rief zur Bildung von Freiwilligenverbänden auf, und aus dem ganzen Land strömten Freikorpssoldaten in die Region. In den Kämpfen und Wirren der folgenden Wochen verübten beide Seiten zahlreiche Greueltaten. Der strategisch wichtige Annaberg wurde ein Brennpunkt der Auseinandersetzung und am 21. Mai von deutschen Einheiten erobert.
Nach der Teilung Oberschlesiens blieb der Annaberg bei der Weimarer Republik. In den zwanziger Jahren wurde der „Sturm auf den Annaberg“ von der deutschen nationalistischen

Grenz- und Abstimmungskaempfe
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Deutsche Propaganda 1919

Rechten in Literatur und Agitation zum Heldenepos stilisiert, dessen Kehrseite ein radikaler Polenhaß war.ZitatDie Nazis bauten auf einem Felsen ein monumentales Ehrenmal für die gefallenen Deutschen und eine an antike Theaterbauten angelehnte „Thingstätte“. 1945 sprengten die Polen das

Denkmal und erbauten ein eigenes, dessen Reliefs einen jahrhundertelangen „Kampf gegen die Germanisierung“ darstellen. In einer für das polnische Geschichtsbewußtsein charakteristischen Art wurde der Annaberg ein nationales Symbol, obwohl – oder gerade weil – er der Schauplatz einer Niederlage war. Dementsprechend aufgeregt waren die Reaktionen auf den Vorschlag Helmut Kohls, seinen Staatsbesuch Polen mit einer Messe auf dem Annaberg zu krönen, der er gemeinsam mit dem polnischen Ministerpräsidenten Tadeusz Mazowiecki beiwohnen wollte. Aufgrund der Proteste wurde die Messe schließlich auf dem Gut Kreisau gefeiert.

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