Da am Beginn der dreißiger Jahre Polen nur von potentiellen Kriegsgegnern umgeben ist, versucht der polnische Außenminister Jozef Beck eine vorsichtige Annäherungspolitik sowohl an Sowjetrußland als auch an Nazideutschland durchzusetzen.
Als das Deutsche Reich im Oktober 1933 demonstrativ aus dem Völkerbund austritt, fordert der polnische Außenminister Jozef Beck in Paris einen Präventivschlages gegen Hitler. Frankreich lehnt jedoch ab. In Warschau ist man beunruhigt. In dem Austritt aus dem Völkerbund vermutet man zurecht Hitlers Absicht einer unkontrollierten Aufrüstung. Doch noch verhält sich Hitler als Wolf im Schafspelz. Er sucht einen Weg aus der internationalen Isolierung Deutschlands. Deshalb sei er bereit, alle Grenzen zu garantieren und Nichtangriffspakte „mit wem auch immer“ abzuschließen. Nach seiner Meinung wäre es einfältig, sich nicht
solcher Mittel zu bedienen, „nur weil man später eventuell einmal in die Lage komme, feierliche Abmachungen zu brechen.“
Der polnische Gesandte Jozef Lipski kann Marschall Pilsudski aus der Reichshauptstadt die überraschende Haltung Hitlers gegenüber Polen übermitteln. Der Reichskanzler ist nicht auf Konfrontation aus und sogar
an einem gemeinsamen Vertrag interessiert. Pilsudski zeigt sich interessiert und im Januar
1934 wird eine auf zehn Jahre befristete Erklärung über gegenseitigen Gewaltverzicht und gegenseitige
Nichteinmischung in innere Fragen unterzeichnet werden. Zu den Vereinbarungen gehören Verhandlungen über den
seit zehn Jahren schwelenden Handelsstreit, man verpflichtet sich zur „Begründung eines gutnachbarlichen Verhältnisses“. Mit dem Vertrag ist eine „Pressevereinbarung“ verbunden, die in Deutschland erstmals seit dem Ende des Ersten Weltkrieges eine polenfreundliche Propaganda einsetzen läßt. Sie hat die ideologische Annäherung der Regime in Berlin und Warschau, geschichtliche Berührungspunkte beider Länder, ihren wirtschaftlichen Austausch und positive Porträts
führender Persönlichkeiten aus Politik und Kultur zum Inhalt. Die polenfreundlichen Propagandisten sind auf deutscher Seite dieselben, die bis Frühjahr 1934 und vielfach auch darüber hinaus ihre tief sitzenden antipolnischen Stereotype gepflegt hatten. Es gibt eine gemeinsame Schulbuchkommission und einen staatlich geförderten Jugendaustausch. Die deutsche Hitlerjugend und die polnischen Pfadfinder treffen diesseits und jenseits der Grenze „freundschaftlich“ aufeinander.
Hitler sieht mit diesem Abkommen Polen von Anfang an als einen möglichen Bundesgenossen für eine künftige Auseinandersetzung mit der Sowjetunion.
Entgegen den Weimarer außenpolitischen Prinzipien hält er die damals betriebene Politik eines „Zusammengehens mit Rußland gegen Polen“ für die „größte politische Absurdität“ . Die deutschen Absichten kristallisieren sich einige Zeit später bei einem Besuch Hermann Görings in Warschau heraus.
So stark Berlin für eine antisowjetische Allianz auch wirbt und trotz der zutiefst antikommunistischen Haltung
Pilsudskis ist Polen dennoch bemüht, sich nicht allzu fest an einen seiner beiden Nachbarn zu binden. Jozef Beck, der Außenminister Polen bleibt um eine Politik des „gleichen Abstands“ zu Sowjetrußland und zu Deutschland bemüht.